Geschichtsort Stadthaus

Stadthausbrücke 6 (Neustadt)

  • Blick auf das ehemalige Stadthaus, Stadthausbrücke / Neuer Wall, 2018
  • Gedenktafel am Eingang der Stadthausbrücke
  • Fenstergestaltung mit Portraits von NS-Verfolgten aus Hamburg. Foto: Michael Rauhe
  • Ausstellung "Das Stadthaus im Nationalsozialismus. Eine Zentrale des Terrors". Foto: Stephan Wallocha
  • Arkadengang über das Bleichenfleet mit einer Ausstellung zur Bau- und Nutzungsgeschichte des Stadthaus-Gebäudekomplexes. Foto: Stephan Wallocha
  • Der von ehemaligen Gefangenen als "Seufzergang" bezeichnete Verbindungsgang über das Bleichenfleet. Foto: Stephan Wallocha

Die Geschichte des Ortes

Das Stadthaus an der Stadthausbrücke/Neuer Wall, heute die „Stadthöfe“, war bis Juli 1943 Sitz des Hamburger Polizeipräsidiums. In dem Gebäudekomplex waren zentrale Befehlsstellen untergebracht, darunter die des Kommandeurs der Schutzpolizei, des Leiters der Kriminalpolizei und der Staatspolizeileitstelle Hamburg und zeitweilig des Inspekteurs der Sicherheitspolizei. Viele Hundert Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren für die Geheime Staatspolizei (Gestapo) und die Kriminalpolizei an diesem Ort tätig. Hier organisierte die Polizei die Verfolgung von politischen Gegnerinnen und Gegnern, Jüdinnen und Juden, Sintize und Sinti, Romnja und Roma sowie weiteren Gruppen. Das Stadthaus war damit eine Zentrale des Terrors und der Gewalt, deren Bedeutung weit über Norddeutschland hinausging. Auch der Kriegseinsatz norddeutscher Polizisten in Polen und in der Sowjetunion und deren aktive Mitwirkung am Völkermord wurden von der Hamburger Polizeileitung im Stadthaus organisiert und mit verantwortet.

Frauen und Männer wurden hier nach ihrer Verhaftung in Kellerräumen unter unwürdigen Bedingungen inhaftiert und mussten bei Verhören brutale Misshandlungen erleiden. Polizisten übten unkontrollierten Terror aus, wie er von der Hamburger NSDAP-Führung erwartet wurde. Sie erzwangen mit „verschärften Vernehmungen“ Geständnisse. Gefangene wurden erniedrigt, gefoltert und in den Tod getrieben. Die Beamten beteiligten sich durch die Einweisungen in Konzentrationslager und Anträge auf „Sonderbehandlung“ an Entscheidungen über Leben und Tod von Hamburger Bürgerinnen und Bürgern.

Zur Entwicklung einer Gedenkstätte

Nach Kriegsende dienten Teile des Stadthauses als Sitz für Hamburger Behörden – zuletzt, bis 2013, für die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt. Seit 1981 erinnert eine Gedenktafel im Eingangsbereich des Gebäudes Stadthausbrücke 8 an die Nutzung des Gebäudes durch die Gestapo. Mit dem Kauf des Gebäudekomplexes 2009 übernahm der Investor, die Quantum Immobilien AG Hamburg, die Verpflichtung, in den Stadthöfen einen Lernort mit unterschiedlichen Inhalten einzurichten und den Betrieb sicherzustellen. Das Konzept umfasst eine Dauerausstellung auf einer gemeinsamen Fläche mit der Sortimentsbuchhandlung „Lesesaal“ und einem Literatur-Café in der Stadthausbrücke 6 sowie am Arkadengang in unmittelbarer Nähe. 

Seit Mai 2018 informierte bereits eine Interimsausstellung über die Geschichte des Gebäudes im Nationalsozialismus. Ende Januar 2020 wurde die Dauerausstellung „Das Stadthaus im Nationalsozialismus. Eine Zentrale des Terrors“ fertiggestellt. Zusätzlich informiert auf dem Arkadengang über dem Bleichenfleet eine Ausstellung über die Bau- und Nutzungsgeschichte des Gebäudeensembles der heutigen Stadthöfe, der Schwerpunkt liegt auf der Zeit des Nationalsozialismus. Außerdem ist der „Seufzergang“ öffentlich zugänglich. Dieser Gang über das Bleichenfleet wurde genutzt, um – von der Öffentlichkeit abgeschirmt – Gefangene von den Arrestzellen zu den Vernehmungszimmern zu bringen. Dort können an einer Hörstation Berichte ehemaliger Gefangener über die Verhörsituation und die erlittenen Misshandlungen im Stadthaus abgerufen werden. Alle Ausstellungselemente sind in deutscher und englischer Sprache verfügbar.

In 2021 wird das Denkzeichen "Stigma" der Künstlerinnen Ute Vorkoeper und Andrea Knobloch realisiert, das aus einem von der Behörde für Kultur und Medien Hamburg ausgelobten Kunstwettbewerb als Siegerentwurf hervorgegangen ist. Auf dem Gehweg vor dem ehemaligen Stadthaus wird hiermit in markanter Art und Weise auf die Geschichte des Gebäudes hingewiesen werden.