Gedenkstein und Stolperschwelle für die Euthanasie-Opfer in den Alsterdorfer Anstalten

Evangelische Stiftung Alsterdorf, Dorothea-Kasten- (Alsterdorf)

  • Gedenkbuch für die Euthanasieopfer im Eingangsbereich der Alsterdorfer Sankt Nicolaus-Kirche
  • Gedenkveranstaltung an der "Stolperschwelle" an der Dorothea-Kasten-Straße, 2011
  • Stolperschwelle für die Euthanasie Opfer der Alsterdorfer Anstalten an der Dorothea-Kasten-Straße

An dem beschönigend „Euthanasie“ genannten Mord an Menschen mit Behinderungen und an Kranken waren im „Dritten Reich“ auch die unter kirchlicher Trägerschaft stehenden Alsterdorfer Anstalten beteiligt. Die NS-Rassenhygiene fand in der Ärzteschaft und der Leitung überzeugte Fürsprecher. Auf Grundlage des „Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ vom 14. Juli 1933 nahmen Alsterdorfer Ärzte zahlreiche Zwangssterilisationen an Menschen mit Behinderungen vor.

Auch später stellten sich die Anstalten nicht schützend vor ihre Patientinnen und Patienten, im Gegenteil: 1938 schoben sie 22 jüdische Bewohnerinnen und Bewohner in andere Einrichtungen ab, wo diese später getötet wurden. An der nach Kriegsbeginn von Hitler angeordneten „Aktion Gnadentod“ beteiligten sie sich ebenfalls aktiv. Vom Oberarzt Dr. Kreyenberg ausgewählt, wurden 1941 zunächst 71 Bewohnerinnen und Bewohner deportiert. Im August 1943 wurden nach den schweren Bombenangriffen auf Hamburg weitere 469 Patientinnen und Patienten in Tötungsanstalten deportiert. Hinzu kamen Verlegungen ins Krankenhaus Rothenburgsort, wo Kinder Opfer medizinischer Experimente wurden.

Gedenken an die Euthanasie-Opfer

Erst in den 1980er Jahren begann in den Alsterdorfer Anstalten eine kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte. Im April 1984 wurde ein Gedenkstein eingeweiht, der an die 629 körperbehinderten, psychisch kranken, teilweise auch lediglich verstörten oder verhaltensauffälligen Kinder und Erwachsenen erinnert. Sie wurden alle aus Alsterdorf deportiert, nur 79 überlebten die „Euthanasie“-Aktionen. Die Namen der Getöteten werden in einem Gedenkbuch genannt, das im Eingangsbereich der Alsterdorfer Sankt Nicolaus-Kirche ausliegt.

Dorothea Kasten

Nach Dorothea Kasten, einem der Opfer, das nach der Deportation am 2. Mai 1944 in der Wiener „Euthanasie“-Anstalt „Am Steinhof“ ermordet wurde, benannte die Stiftung Alsterdorfer Anstalten 1993 ihre Zufahrtsstraße.

2006 wurde vor dem Lageplan am Haupteingang der Alsterdorfer Anstalten in den Bürgersteig an der Dorothea-Kasten-Straße eine „Stolperschwelle“ mit den Zahlen der Deportierten und Ermordeten eingefügt. An diesem Ort fuhren die Busse ab, mit denen die Opfer deportiert wurden.