Mahnmal St. Nikolai

Willy-Brandt-Straße 60 (Altstadt)

  • Kirchturm St. Nicolai an der Willy-Brandt-Straße
  • Museum in der Krypta St.Nikolai
  • Aussichtsplattform auf dem Kirchturm St. Nikolai (Foto 2008)
  • Skulptur „Prüfung“ im Außenbereich (der Gedenkstätte in Sandbostel gewidmet)

Mit 147 Metern ist der Turm der St. Nikolai-Kirche Hamburgs höchster Kirchturm. Die Ruine des von Ruß geschwärzten Turms lenkt den Blick auf eine mehrfach zerstörte Kirche, die als Mahnmal für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft steht. Sie wirbt heute für Völkerverständigung und Toleranz.

Geschichte der Kirche

Die im 12. Jahrhundert erbaute St. Nikolai-Kirche wurde bereits beim großen Hamburger Brand 1842 zerstört. Sie wurde im neogotischen Stil wieder aufgebaut. Während der alliierten Bombenangriffe im Juli 1943 wurde das Gotteshaus erneut schwer getroffen. Nur der Turm, der den Bomberflotten als Orientierungspunkt diente, der Chorraum und Teile des Kirchenschiffs blieben erhalten.

Nach Kriegsende ließen sowohl die geringere Bevölkerungsdichte im Umfeld der Kirchengemeinde als auch die städtebaulichen Planungen für die Ost-West-Straße (heute Willy-Brandt-Straße und Ludwig-Erhardt-Straße) einen Wiederaufbau der weitgehend zerstörten Kirche nicht sinnvoll erscheinen. Mitte der 1950er Jahre wurde eine neue Kirche Sankt Nikolai am Klosterstern im Stadtteil Harvestehude errichtet.

Einrichtung als Mahnmal

1977 erfolgten die Eröffnung als Gedächtnisstätte und die Anbringung einer Gedenktafel für die Hamburger Bombenopfer. Ein weiterer Ausbau wurde durch die Gründung des Förderkreises „Rettet die Nikolaikirche“ e.V. (heute: Förderkreis Mahnmal Sankt Nikolai e.V.) im Jahr 1987 möglich. Ehrenamtliches Engagement, öffentliche Mittel und Spenden sorgten für den Erhalt der baulichen Substanz. Der Förderkreis eröffnete ein Museum in der Krypta, das Informationen über die Geschichte der Nikolaikirche und zur Bombardierung von Hamburg, Coventry und Warschau sowie Platz für Sonderausstellungen bietet.

St. Nikolai heute

Zum 70. Jahrestag wird auf einer wesentlich erweiterten Ausstellungsfläche eine neue, zeitgemäße Dokumentation „Gomorrha 1943. Die Zerstörung Hamburgs im Luftkrieg“ realisiert, die neben den schrecklichen Folgen auch die Ursachen thematisiert. Sie stellt den nationalsozialistischen Herrschaftsanspruch über andere Völker ebenso wie die wechselseitige Brutalisierung des Luftkrieges dar. Verschiedene Denkmale im Bereich der Kirchenruine und ein besonderer Überblick ergänzen das Angebot.

Auf der Aussichtsplattform des Kirchturmes in 76 Metern Höhe bilden großformatige Fotos aus dem Jahr 1943 den Blick vom Kirchturm über die zerstörte Stadt ab. Die Plattform ist mit einem im Jahre 2005 eingerichteten gläsernen Panoramalift zu erreichen.

Der Förderkreis veranstaltet Gedenkfeiern, Vorträge, Konzerte, Führungen durch Ausstellung und Mahnmal und regelmäßige Konzerte des großen Glockenspiels.