Mahnmal St. Nikolai

Willy-Brandt-Straße 60 (Altstadt)

  • Turm der Kirchenruine St. Nikolai, 2020
  • Museum in der Krypta St. Nikolai, 2014
  • Skulptur "Prüfung" in Gedenken an die Opfer des Kriegsgefangenen- und KZ-Auffanglagers Sandbostel
  • Aussichtsplattform auf dem Kirchturm St. Nikolai, 2020

Mit 147 Metern ist der Turm der Kirchenruine St. Nikolai Hamburgs höchster Kirchturm. Die Ruine steht heute als Mahnmal für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft und wirbt für Völkerverständigung und Toleranz.

Geschichte der Kirche

Die erste, im 12. Jahrhundert erbaute St. Nikolai-Kirche wurde beim großen Hamburger Brand 1842 zerstört. Der Neubau der Kirche erfolgte im neogotischen Stil. Während der alliierten Bombenangriffe der "Operation Gomorrha" im Juli 1943 wurde das Gotteshaus, dessen Turm den Bomberpiloten als Orientierungspunkt diente, schwer getroffen. Nur der Turm, der Chorraum und Teile des Kirchenschiffs blieben erhalten.

Nach Kriegsende ließen sowohl die geringere Bevölkerungsdichte im Umfeld der Kirchengemeinde als auch die städtebaulichen Planungen für die Ost-West-Straße (heute Willy-Brandt-Straße und Ludwig-Erhardt-Straße) einen Wiederaufbau der weitgehend zerstörten Kirche nicht sinnvoll erscheinen. Mitte der 1950er-Jahre wurde eine neue Kirche St. Nikolai am Klosterstern im Stadtteil Harvestehude errichtet.

Einrichtung als Mahnmal

1977 erfolgten die Einweihung der Kirchenruine als Gedächtnisstätte und die Anbringung einer Gedenktafel für die Hamburger Bombenopfer. Ein weiterer Ausbau wurde durch die Gründung des Förderkreises „Rettet die Nikolaikirche“ e.V. (heute: Förderkreis Mahnmal Sankt Nikolai e.V.) im Jahr 1987 möglich. Ehrenamtliches Engagement, öffentliche Mittel und Spenden sorgten für den Erhalt der baulichen Substanz. Im Gewölbekeller präsentierte der Verein eine erste Ausstellung zur Geschichte der Nikolai-Kirche und der Bombardierung Hamburgs.

St. Nikolai heute

2013, zum 70. Jahrestag der "Operation Gomorrha", wurde auf einer wesentlich erweiterten Ausstellungsfläche eine neue, zeitgemäße Dokumentation realisiert. Unter dem Titel "Gomorrha 1943. Die Zerstörung Hamburgs im Luftkrieg“ thematisiert sie neben den schrecklichen Folgen auch die Ursachen sowie die Erinnerungskultur an die Bombenzerstörungen in Hamburg. Weitere Themen sind die Vorbereitung des Krieges am Beispiel des Luftschutzes, die Ausgrenzung diskriminierter Gruppen sowie die Anfänge des Luftkriegs mit den deutschen Angriffen auf Warschau, Rotterdam und Coventry. 

Auf der Aussichtsplattform des Kirchturmes in 76 Metern Höhe bilden großformatige Fotos aus dem Jahr 1943 den Blick vom Kirchturm über die zerstörte Stadt ab. Die Plattform ist mit einem im Jahre 2005 eingerichteten gläsernen Panoramalift zu erreichen.

Der Förderkreis bietet ein vielseitiges Veranstaltungsprogramm mit Gedenkfeiern, Vorträgen, Konzerten und Lesungen. Regelmäßig wird das große Turmglockenspiel (Carillon) live gespielt.