Mahnmal für die jüdischen Opfer der Deportation aus dem Steubenweg 36

Grotiusweg 36, 22587 Hamburg (Blankenese)

  • Das Mahnmal am Grotiusweg 36
  • Blick zur offenen Decke des Mahnmals
  • Die eingravierten Namen in den Bohlen

Seit dem September 2013 erinnert ein vom Verein zur Erforschung der Geschichte der Juden in Blankenese initiiertes Mahnmal an die jüdischen Bewohnerinnen und Bewohner des Hauses Steubenweg (heute: Grotiusweg) 36, das von den Nazis als sogenanntes "Judenhaus" genutzt wurde.

Das vom Hamburger Künstler Volker Lang gestaltete Mahnmal ist ein sechseckiger, hölzerner Pavillion von 4,80 Meter Breite und Höhe mit offenem Dach. In den Bohlen aus edlem Lärchenholz sind die bekannten 17 Namen eingraviert und Daten, die an das Verfolgungsschicksal dieser Personen erinnern, die vom Oktober 1941 bis Juli 1942 von hier aus nach Łodź, Minsk, Riga und Auschwitz in den Tod deportiert wurden. Zwei Bewohnerinnen des Hauses entzogen sich dem letzten Transport, der am 19. Juli 1942 vom Hannoverschen Bahnhof aus ins Ghetto Theresienstadt fuhr, indem sie in den Tagen zuvor ihrem Leben selbst ein Ende setzten.

Zuvor hatten sich in dem 1930 von der Hamburgerin Emmy Lokay erworbenen Gebäude junge Juden, die Chaluzim, auf ihre Auswanderung nach Palästina und die Arbeit in der Landwirtschaft vorbereitet. Später wurde die Villa zudem als Tageskolonie für jüdische Ferienkinder genutzt. Und schließlich als "Judenhaus", als Zwangsquartier vor der beabsichtigten Deportation.

"Himmel, herzgrau, muss nah sein", diese Zeile aus Paul Celans Gedicht "Sprachgitter" hat der Künstler anstelle einer erklärenden Tafel in gleicher Weise wie die Namen, Geburts- und Sterbedaten in die Holzbohlen gefräst. Mit der Öffnung zum Himmel erinnert das Mahnmal an die Schutzlosigkeit der Bewohner und die stumme Zeugenschaft des Waldes.

Die Initiativen für die Errichtung des Mahnmals gehen zurück auf mehrjährige Bemühungen des vom Grünen-Politiker Dr. Martin Schmidt gegründeten Vereins, der zu den Jahrestagen der Deportationen Gedenkgottesdienste ausrichtet und mehrfach Überlebende des Holocaust (die in einer Villa am Kösterberg nach 1945 untergebrachten "Kinder von Blankenese") einlud, sowie der heutigen Eigentümer des Grundstücks Grotiusweg 36, die mit ihren Mitteln die Errichtung des Mahnmals auf einer benachbarten städtischen Grünfläche ermöglichten.