KZ-Außenlager Spaldingstrasse (St. Georgsburg)

Spaldingstraße 152–162 (Hammerbrook)

  • Ausstellung 2012
  • Innenhof 2009
  • Tafel 2012

Die so genannte Georgsburg, ein siebenstöckiger Gebäudekomplex, wurde 1910 gebaut und zunächst als Tabakfabrik genutzt. Im Oktober 1944 wurde ein Teil des Gebäudes, das im Gegensatz zum gesamten Stadtteil Hammerbrook von den Bombardements der Alliierten fast verschont geblieben war, zum Außenlager des KZ Neuengamme erklärt und mit ca. 2000 männlichen Häftlingen aus dem KZ Neuengamme belegt.

Leben im AL Spaldingstraße

Die Lebensbedingungen der Russen, Polen, Franzosen, Belgier, Dänen, Tschechen und Deutschen waren katastrophal. Sie lebten auf engstem Raum wurden schlecht ernährt und mussten unter völlig unzureichenden hygienischen Bedingungen leben. Nach dem Aufstehen um 4.30 Uhr folgten Betteninspektion, Zählappelle und die Einteilung in Arbeitskommandos. Die Arbeitsfähigen mussten bis zum Sonnenuntergang in der Umgebung zerstörte Schienen reparieren, Minen räumen und Leichen aus den Ruinen bergen. Bis Anfang April 1945 starben dort etwa 800 Menschen.

Im April 1945 wurde das Lager aufgelöst und die Häftlinge zu Fuß oder mit Lastwagen in das Auffanglager Sandbostel in der Nähe von Bremervörde verlegt. Viele von ihnen starben vor und auch noch nach der Befreiung durch britische Truppen am 29. April 1945.

Gedenkort

Bereits in den 1980er Jahren gab es erste Bemühungen um eine Gedenktafel am Ort des ehemaligen Außenlagers Spaldingstraße, die aber am Widerstand des Eigentümers scheiterten. Auf Initiative eines Hamburger Bürgers, dessen Onkel im Außenlager ums Leben gekommen war, und des Freundeskreises KZ-Gedenkstätte Neuengamme wurden mit einem offiziellen Festakt am 26. Oktober 2009 nach schwierigen und langwierigen Verhandlungen mit der Eigentümerin des Gebäudes, der „Immobilien Verwertungsgesellschaft (IVG)“, zwei schwarze Informationstafeln des Denkmalschutzamtes in deutscher und englischer Sprache eingeweiht.

Differenzen um eine Gedenktafel

Wenige Wochen später wurden die Tafeln nach Beschwerden von Mietern als vermeintlich „geschäftsschädigend“ entfernt und an versteckter Stelle im nicht öffentlich zugänglichen Hinterhof des Gebäudes angeschraubt.

Nach erheblichen Protesten der Kulturbehörde, der KZ-Gedenkstätte Neuengamme, der jüdischen Gemeinde Hamburg und von Überlebendenverbänden des KZ Neuengamme wurden die Tafeln vom Eigentümer dann Ende November 2009 wieder an der Frontseite des Hauses befestigt. "Natürlich müssen die Tafeln an der Straße hängen, wo sie jeder sieht - und nicht versteckt im Hinterhof. Was geschehen ist, tut uns leid. Wir haben einen Fehler gemacht", so der Niederlassungsleiter in seiner Erklärung.

Ausstellung

Nach einem Eigentümerwechsel eröffnete im Mai 2012 die Hotel- und Hostelkette A&O in dem sanierten Gebäudekomplex mit 2.000 Betten ein großes Hostel, das vor allem Jugendgruppen und Schulklassen Unterkunftsmöglichkeiten bietet. Der Betreiber ging bereits im Vorwege auf die KZ-Gedenkstätte Neuengamme zu, um mit ihrer Vermittlung eine kleine Ausstellung über die Geschichte des Gebäudes und insbesondere seine Nutzung als KZ-Außenlager erstellen zu lassen. Diese Ausstellung in deutscher und englischer Sprache wird dauerhaft im Hotelfoyer gezeigt und ist dort öffentlich zugänglich.