Harburger Mahnmal gegen Faschismus

Harburger Rathausplatz, Ecke Harburger Ring, Hölertwiete (Harburg)

  • Erklärungstafel am Harburger Mahnmal gegen Faschismus
  • Harburger Mahnmal gegen Faschismus nach der ersten Absenkung 1988
  • Harburger Mahnmal gegen Faschismus nach der sechsten Absenkung 1992
  • Harburger Mahnmal gegen Faschismus nach der siebten Absenkung 1993

Zum 50. Jahrestag der nationalsozialistischen Machtergreifung beschloss die Bezirksversammlung Harburg im Januar 1983 einstimmig die Errichtung eines „Mahnmals gegen den Faschismus“ auf dem Harburger Rathausplatz.

60.000 Beschriftungen

Nach Abschluss eines Wettbewerbs und intensiven Diskussionen fiel die Entscheidung zugunsten eines Entwurfs von Esther Shalev-Gerz (geboren 1948) und Jochen Gerz (geboren 1940), die eine besondere Form der Auseinandersetzung mit der Zeit des Nationalsozialismus beabsichtigten. Das Ehepaar baute 1986 eine bleiummantelte Säule von zwölf Metern Höhe auf, die als Schreibgrund für Unterschriften und Kommentare zur NS-Zeit genutzt werden sollte. In acht Schritten wurde die Stele vom 10. Oktober 1986, dem Tag ihrer Einweihung, bis zum 10. November 1993 in das Erdreich abgesenkt. So wurde Platz für neue Kommentare geschaffen und ein deutliches Symbol für das Eingraben der Erinnerung gestaltet. Am Ende waren es circa 60.000 Beschriftungen unterschiedlichster Art, die mit der Säule versenkt wurden. Es sind Unterschriften, nachdenkliche Worte, antifaschistische Zitate ebenso wie Sprüche und ausländerfeindliche Parolen. Die Absenkungen der Säule in die Erde wurden von Diskussionsrunden und Vorträgen zur Geschichte des Nationalsozialismus begleitet.

Leerstelle

Heute ist von dem Mahnmal nur noch die oben abschließende Bleiplatte im Gehweg zu sehen. Außerdem ermöglicht ein Fenster in der Fußgängerunterführung den Blick auf einen Teil der Stele. Tafeln erklären die Entstehung des Denkmals und den Anlass seiner Errichtung. Die „Leerstelle“ des versenkten Denkmals wird in der Inschrift mit den Worten erläutert: „Denn nichts kann auf Dauer an unserer Stelle sich gegen das Unrecht erheben.“