Geschichtsort Stadthaus

Stadthausbrücke 8 (Neustadt)

  • Credit: Michael Rauhe
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  • Gedenktafel am Eingang der Stadthausbrücke

Zur Bedeutung des Ortes

Das Stadthaus an der Stadthausbrücke, heute die „Stadthöfe“, war bis Juli 1943 Sitz des Hamburger Polizeipräsidiums. In dem Gebäudekomplex waren zentrale Befehlsstellen untergebracht, darunter die des Kommandeurs der Schutzpolizei, des Leiters der Kriminalpolizei und der Staatspolizeileitstelle Hamburg und zeitweilig des Inspekteurs der Sicherheitspolizei. Viele Hundert Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren für die Geheime Staatspolizei (Gestapo) und die Kriminalpolizei an diesem Ort tätig. Das Stadthaus war damit eine Zentrale des Terrors und der Gewalt, deren Bedeutung weit über Norddeutschland hinausging. Auch der Kriegseinsatz norddeutscher Polizisten in Polen und in der Sowjetunion und deren aktive Mitwirkung am Völkermord wurden von der Hamburger Polizeileitung im Stadthaus organisiert und mit verantwortet.

Frauen und Männer in Kellerräumen wurden hier nach ihrer Verhaftung unter unwürdigen Bedingungen inhaftiert und mussten bei Verhören brutale Misshandlungen erleiden. Polizisten übten unkontrollierten Terror aus, wie er von der Hamburger NSDAP-Führung erwartet wurde. Sie erzwangen mit „verschärften Vernehmungen“ Geständnisse. Gefangene wurden erniedrigt, gefoltert und in den Tod getrieben. Die Beamten beteiligten sich durch die Einweisungen in Konzentrationslager und Anträge auf „Sonderbehandlung“ an Entscheidungen über Leben und Tod von Hamburger Bürgerinnen und Bürgern.

Zur Entwicklung einer Gedenkstätte

Nach Kriegsende dienten Teile des Stadthauses als Sitz für Hamburger Behörden – zuletzt, bis 2013, für die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt. Seit 1981 erinnert eine Gedenktafel im Eingangsbereich des Gebäudes Stadthausbrücke 8 an die Nutzung des Gebäudes durch die Gestapo. Mit dem Kauf des Gebäudekomplexes 2009 übernahm der Investor, die Quantum Immobilien AG Hamburg, die Verpflichtung, in den Stadthöfen einen Lernort mit unterschiedlichen Inhalten einzurichten und den Betrieb sicherzustellen. Die Fertigstellung einer Dauerausstellung ist für 2019 auf einer gemeinsamen Fläche mit der Sortimentsbuchhandlung „Lesesaal“ und einem Literatur-Café in der Stadthausbrücke 6 vorgesehen. Seit Mai 2018 informiert dort bereits eine Interimsausstellung über die Geschichte des Gebäudes im Nationalsozialismus. Außerdem ist der „Seufzergang“ öffentlich zugänglich. Dieser Gang über das Bleichenfleet wurde genutzt, um – von der Öffentlichkeit abgeschirmt – Gefangene von den Arrestzellen zu den Vernehmungszimmern zu bringen. Anfragen für Veranstaltungen wie Vorträge und Lesungen im „Geschichtsort“ koordiniert der „Lesesaal“. Für 2019 planen Senat und Bürgerschaft auf dem Gehweg vor den Stadthöfen die Errichtung eines ergänzenden, künstlerisch gestalteten Gedenkorts.