Gedenktafel für das Zwangsarbeiterlager Norderstraße

Jessenstraße 1, 22767 Hamburg (Altona-Altstadt)

  • Die Gedenktafel an der Jessenstraße 1
  • Stolpersteine

Text der Gedenktafel:

Südlich von hier, auf dem Gelände zwischen Vichowstraße, Eschelsweg, Grotjahn- und Mörkenstraße befanden sich, in einem alten Gebäudekomplex, bis 1941 ein städtisches Altenheim und eine "Irrenanstalt". Ab Mitte des Jahres 1941 wurden die Gebäude geräumt und die Bewohner des Altenheimes entweder privat oder in städtischen Altenheim in Bahrenfeld / Friedhofstraße, heute Holstenkamp, untergebracht. 20 Frauen und 25 Männer aus der "Irrenanstalt" wurden nach Meseritz-Obrawalde / Posen gebracht und 11 Frauen nach Zwiefalten in Württemberg. Beide Anstalten sind für ihre Beteiligung an den "Euthanasie"-Morden bekannt. 22 der nach Meseritz-Obrawalde Deportierten sind dort nachweislich ermordet worden.

In den geräumten Gebäuden wurden ab April 1942 Zwangsarbeiter untergebracht. Sie wurden von den Nationalsozialisten aus den besetzten Ländern nach Deutschland zur Arbeit zwangsverpflichtet, teilweise hierher verschleppt. Sie mussten die deutschen Männer ersetzen, die an der Front waren. Zum größten Teil waren es aus der damaligen Sowjetunion – Ukraine und Weißrussland – stammende junge Männer. Die zweite große Gruppe bildeten junge Franzosen, auch einige Belgier und Polen waren im Lager. Die meisten wurden nach wenigen Wochen auf andere Lager im Raum Altona verteilt oder in Zwangsarbeiterlager im Osten, zum Beispiel Kattowitz, gebracht. Andere kamen nach Auschwitz-Bunawerke, wo sie unter brutalen Bedingungen für den IG-Farben-Konzern Zwangsarbeit leisten mussten.

Von 1942 bis zu seiner Zerstörung haben mindestens 3000 Zwangsarbeiter das Lager Norderstraße durchlaufen. In der Nacht vom 24./25. Juli 1943, als Altona-Altstadt den Bomben der Alliierten zum Opfer fiel, wurde auch das Zwangsarbeiterlager zerstört und eine noch unbekannte Anzahl von Lagerinsassen kam ums Leben.

Mit dieser Tafel soll der als Zwangsarbeiter ausgebeuteten Menschen gedacht werden, von denen viele in der Norderstraße ihr Leben verloren oder von hier aus in den Tod geschickt wurden.