Gedenkstätten am Ort des ehemaligen KZ-Außenlagers Drägerwerk

Ahrensburger Straße 162 (Tonndorf)

  • Schwarze Tafel aus dem Tafelprogramm des Denkmalschutzamtes am Ort des ehemaligen Außenlagers Wandsbek-Drägerwerke
  • Informationstafeln am Ort des ehemaligen Außenlagers Wandsbek-Drägerwerke
  • Historischer Waschtrog am Ort des ehemaligen Außenlagers Wandsbek-Drägerwerke
  • 2010 eröffnete neue Gedenkstätte am Ort des ehemaligen Außenlagers Wandsbek-Drägerwerke, Gesamtansicht
  • 2010 eröffnete neue Gedenkstätte am Ort des ehemaligen Außenlagers Wandsbek-Drägerwerke, Detailansicht
  • Die beiden Schülerinnen vor dem nach ihrem Entwurf realisierten Mahnmal nach der Eröffnung 2010

Im Juni 1944 entstand in Wandsbek das erste Frauenaußenlager des KZ Neuengamme in Hamburg. Über 500 Frauen unterschiedlicher Nationalität, fast alle politische Häftlinge aus dem KZ Ravensbrück, mussten hier für die Hamburger Niederlassung der Lübecker Drägerwerk AG in der Gasmaskenproduktion arbeiten.

Lebensbedingungen

Für die Unterbringung der Häftlinge waren im Frühjahr 1944 auf dem Werksgelände in der Ahrensburger Straße 162 drei Baracken errichtet worden. Mehrere Frauen starben an den Folgen von Misshandlungen durch die SS, zwei Frauen wurden „auf der Flucht erschossen“. Am 29. August 1944 wurde die junge Russin Raja Ilinauk wegen angeblicher Sabotage im Lager erhängt. Im März 1945 unternahm das Drägerwerk Versuche, wie lange Menschen in einem gasdichten Luftschutzraum ohne Belüftungsanlage überleben können. Für diese Versuche wurden Häftlinge des Außenlagers Wandsbek in Luftschutzbunker in verschiedenen Hamburger Stadtteilen verbracht. Die meisten Frauen aus dem Lager in Wandsbek wurden durch das schwedische Rote Kreuz gerettet, das sie am 1. Mai 1945 mit einem Zug von Hamburg nach Padborg in Dänemark und von dort weiter nach Schweden brachte. Nach dem Krieg wurden die Baracken abgerissen und Produktionshallen, unter anderem für die Firma Agfa-Gevaert, errichtet.

Langer Weg zum würdigen Gedenken

Am Eingang zum Firmengelände ließ die Kulturbehörde im Mai 1988 eine Tafel aus dem Programm „Stätten der Verfolgung und des Widerstandes 1933–1945“ anbringen. Nach Aufgabe der gewerblichen Nutzung entstand 2004/05 auf dem Gelände die Wohnsiedlung „An der Rahlau“. Gemäß einer entsprechenden Auflage des Bezirkamts Wandsbek schuf der Bauträger unter Einbeziehung von Zaunpfählen und eines erhaltenen Waschtrogs eine kleine Gedenkanlage. Deren Ausführung und die fehlende Wegweisung riefen öffentliche Kritik hervor, die 2007 zu einer Überarbeitung führte. Doch nach wie vor war die Frage einer öffentlichen Zuwegung strittig.

Zwei Gedenkstätten an einem Ort

Um einen öffentlichen Zugang zu gewährleisten, enstand im Jahr 2010 direkt neben dem ehemaligen Lagergelände auf öffentlichem Grund eine zweite, erweiterte Gedenkstätte. Mit ihrer Grundform eines gleichschenkeligen Dreiecks nimmt sie Bezug auf die Winkel, mit denen die SS die KZ-Häftlinge an ihrer Kleidung nach den vermeintlichen Haftgründen kennzeichnete. Die Namen der im KZ Drägerwerk inhaftierten Frauen sind auf sechs Granitsteindreiecken zu lesen. Das Mahnmal, das zwei ineinander verwobene und in Ketten gelegte Dreiecke zeigt, wurde im Rahmen eines Kunstkurses am Charlotte-Paulsen-Gymnasium von zwei Schülerinnen entworfen.

Mehr Informationen zum Außenlager Wandsbek des KZ Neuengamme finden Sie auf der Webseite der KZ-Gedenkstätte Neuengamme.