Gedenkstätte Bullenhuser Damm mit Rosengarten

Bullenhuser Damm 92 (Rothenburgsort)

  • Gedenkraum mit den Namen der dort Ermordeten in Gedenkstätte Bullenhuser Damm
  • Wandbild im Treppenhaus der Gedenkstätte Bullenhuser Damm
  • Zur Gedenkstätte gehörender Rosengarten
  • Mahnmal für die 24 dort ermordeten sowjetischen Häftlinge vor dem Rosengarten der Gedenkstätte Bullenhuser Damm
  • Blick in die 2011 eröffnete Dauerausstellung der Gedenkstätte Bullenhuser Damm

Als eines von wenigen Gebäuden in Rothenburgsort blieb das Schulgebäude am Bullenhuser Damm während der Bombenangriffe auf Hamburg im Sommer 1943 weitgehend unzerstört, während der Stadtteil selbst in Schutt und Asche versank. Die Stadt trat das Gebäude an die SS ab, die dort ein Außenlager des KZ Neuengamme errichtete. Bis zu 1.000 Häftlinge, die Trümmer beseitigen und Bomben räumen mussten, waren hier inhaftiert. Am 11. April 1945 wurden die KZ-Gefangenen nach Neuengamme zurückverlegt.

Morde am Bullenhuser Damm

Im Zuge der Räumung des KZ Neuengamme wurden am Abend des 20. April 1945 zwanzig jüdische Kinder, vier Häftlingsärzte und -pfleger sowie eine Gruppe sowjetischer Häftlinge in das ehemalige Schulgebäude gebracht. SS-Männer ermordeten in der folgenden Nacht die Kinder und ihre Betreuer, um Beweise für die an den Kindern zuvor in Neuengamme vorgenommenen medizinischen Versuche zu beseitigen. Die vermutlich 24 sowjetischen Häftlinge wurden ebenfalls erhängt.

Gegen das Vergessen

Ab August 1948 nahm die Schule ihren Betrieb wieder auf, ohne in irgendeiner Form der Taten von 1945 zu gedenken. Zwar erfolgte 1963 die Anbringung einer Gedenktafel und seither die Durchführung einer jährlichen Gedenkfeier am 20. April auf Initiative der Arbeitsgemeinschaft Neuengamme. Doch erst Ende der 1970er Jahre begann nach der Veröffentlichung einer Artikelserie von Günther Schwarberg im Magazin „Stern“ eine intensive öffentliche Auseinandersetzung mit dem Kindermord. 1979 wurde unter Beteiligung von Angehörigen der Ermordeten die „Vereinigung der Kinder vom Bullenhuser Damm“ gegründet und eine erste Ausstellung in den Kellerräumen der Schule eröffnet. Die 1980 nach Janusz Korczak benannte Schule stellte 1989 ihren Betrieb ein. Das Gebäude wurde anschließend für etwa zehn Jahre von einer Einrichtung der beruflichen Weiterbildung genutzt.

Gedenkstätte

Die Ausgestaltung der Gedenkstätte, die lange Zeit von der Vereinigung privat betrieben wurde, erfolgte in mehreren Schritten. 1999 wurde die sie in städtische Trägerschaft überführt, 2011 dann um weitere Räume erweitert und die Ausstellung umfassend neu gestaltet. Sie erinnert heute an die Verfolgungswege der Opfer, die Täter sowie medizinische Experimente im KZ Neuengamme und das Außenlager Bullenhuser Damm. Die Texte sind auf Deutsch und Englisch, der Schwerpunkt liegt auf den Biographien der Ermordeten. Die Ausstellung informiert aber auch über die Auseinandersetzung mit dem Verbrechen nach 1945 und die Entwicklung der Gedenkstätte. Seit 1987 ist im Treppenaufgang das Raum füllende Wandbild „21. April 1945, 5 Uhr morgens“ von Jürgen Waller (geboren 1939) zu sehen, das den Keller der Schule am Morgen nach der Ermordung der Kinder zeigt.

Rosengarten

Zusätzlich zur Ausstellung erinnert seit 1985 ein von der Hamburger Künstlerin Lili Fischer (geboren 1947) konzipierter Rosengarten an die Opfer. Jeder Besucher kann eine Rose pflanzen, um der Opfer zu gedenken. Am Zaun des Gartens sind von Verwandten persönliche kleine Gedenktafeln mit Porträtfotos und Texten angebracht. Außerdem erläutern in den acht Sprachen der Opfer verfasste Tafeln die Geschichte dieser Gedenkstätte.

Sowjetisches Mahnmal

Ebenfalls zum 40. Jahrestag der Befreiung 1985 wurde am Eingang zum Rosengarten eine vom sowjetischen Kulturministerium gestiftete Bronzeplastik des Künstlers Anatoli Mossijtschuk aufgestellt. Sie erinnert an die im Schulgebäude in derselben Nacht vom 20. auf den 21. April 1945 erhängten sowjetischen Häftlinge. Das Denkmal, das ursprünglich für die im KZ Dachau ermordeten Rotarmisten angefertigt worden war, wurde durch den damaligen sowjetischen Generalkonsul eingeweiht.

Öffnungszeiten

Sonntag 10 bis 17 Uhr und nach Vereinbarung (für Führungen)